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Bedeutung von Fremdsprachen für die Unternehmen
Keine Frage: Deutsche Unternehmen sehen inzwischen die besondere Bedeutung von Fremdsprachenkompetenz bei ihren Mitarbeitern, um den Erfolg ihres Unternehmens zu sichern und auszubauen. Der Bedarf wird zukünftig steigen. Diese Erkenntnisse ergeben sich aus der Sichtung der einschlägigen Literatur, soweit sie aufgrund von Unternehmensbefragungen (z.B. vom Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln) entstanden ist. Rund 75 % der bei den Industrie- und Handelskammern angesiedelten Betriebe und rund 22 % der Handwerksbetriebe geben danach Fremdsprachenbedarf an. Je größer ein Betrieb, umso wichtiger werden Fremdsprachen. Betriebe mit Auslandsverbindungen und Betriebe, die ausländische Niederlassungen bzw. Tochtergesellschaften haben bzw. die selbst Teil eines ausländischen Betriebes sind, haben einen signifikant höheren Fremdsprachenbedarf als Betriebe ohne diese Beziehungen. Aber auch Betriebe ohne erkennbare Auslandsorientierung haben gelegentlichen Fremdsprachenbedarf: z.B. durch Übersetzen fremdsprachlichen Schriftgutes (etwa Bedienungsanleitungen), durch ausländische Gäste oder Anfragen aus dem Ausland. Nach Branchen differenziert ist der höchste Bedarf im produzierenden Gewerbe in der Feinmechanik, im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Chemie und Kunststoffverarbeitung, in der Eisen-/Stahl-/ Metallindustrie, Elektro und Elektronik- sowie Nahrungsmittelindustrie. Im Dienstleistungsbereich: im Tourismus, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Transportsektor, im Groß- und Außenhandel und bei den Banken. Deutlich weniger Bedarf besteht im Einzelhandel, bei den Versicherungen, im Handwerk, im Druck- und Baugewerbe. Rund 36 % der Unternehmen mit Fremdsprachenbedarf brauchen Englisch ständig und 45 % häufig. Die anderen Sprachen fallen dagegen stark ab: Spanisch: 31 % der Unternehmen geben an, es ständig oder häufig zu benötigen, Französisch: 13,3 %, Italienisch: 8,3 %. Ab der 5. Stelle finden sich die Sprachen Russisch, Niederländisch, Tschechisch, Portugiesisch, Dänisch, Japanisch, Chinesisch und Polnisch. Außereuropäische Sprachen sind relativ selten. Der überwiegende Teil der Betriebe mit Fremdsprachenbedarf braucht 2 bis 4 Sprachen (rund 62 %). Jeder 3. Mitarbeiter benötigt Fremdsprachen. Folgende Funktionsbereiche in den Betrieben haben den stärksten Bedarf: Geschäftsführung, Verkauf, Service/Kundenbetreuung, Einkauf, Marketing, Datenverarbeitung, Logistik. In diesen Bereichen braucht fast jeder zweite Mitarbeiter in den Firmen Fremdsprachenkenntnisse. Der Schwerpunkt des Fremdsprachenbedarfs liegt eindeutig auf der mündlichen Kommunikationsfähigkeit und dem allgemeinen Wortschatz, die beide auch in der Muttersprache Deutsch eine große Bedeutung haben. Die weiteren Schwerpunkte bilden das Fachvokabular, das Hör- und das Leseverständnis. Erst dann folgen Grammatikkenntnisse, die schriftlichen Fähigkeiten und die Fähigkeit des Übersetzens. Die meisten Betriebe sehen einen erheblichen Bedarf in der aktiven und allgemeinsprachlichen mündlichen Fremdsprachenkompetenz: Verhandlungen führen, telefonieren, präsentieren, Gespräche führen, verkaufen, etc. Die kaufmännischen und technischen Fachsprachen sind dagegen nicht ganz so wichtig. Diese Einschätzungen sind eine deutliche Kritik an dem Fremdsprachenunterricht der allgemeinbildenden Schulen, wo zu viel Wert gelegt wird auf Üben von Grammatik, schriftlicher Sprachkompetenz und Literatur. Die allgemeinbildenden Schulen haben demnach ihre Chancen bisher nicht wahrgenommen, die in der Wirtschaft wirklich wichtige aktive allgemeinsprachliche Kommunikationsfähigkeit in der Verwendung der Fremdsprache zu trainieren. Diese aktiven Fähigkeiten müssen länger und häufiger geschult werden als die rezeptiven Fähigkeiten (z.B. Leseverständnis), weil sie flüchtiger sind. In der beruflichen Erstausbildung fordern die Betriebe vor allem von den Berufsschulen praxisnahe handlungsorientierte Angebote, allerdings nur dort, wo sie auch wirklich benötigt werden, weil der Kernauftrag der Berufsschulen ansonsten in der Vermittlung von Fachkompetenz gesehen wird. In der beruflichen Weiterbildung wird die Fremdsprache entweder innerbetrieblich geschult (mit freiberuflichen Dozenten oder über Sprachschulen) oder Mitarbeiter werden in externe Kurse geschickt (private Sprachschulen, VHS, IHK), mit denen die Betriebe überwiegend zufrieden sind. Zertifizierung In der Aus- und Weiterbildung legen die Betriebe überwiegend Wert auf eine Zertifizierung der erworbenen Kenntnisse. Sofern es um innerbetrieblich geförderte Fremdsprachenkenntnisse geht, reichen den Unternehmen vielfach einfache oder qualifizierte Teilnahmebescheinigungen. Erst in zweiter Linie sind hier externe Zertifikate, z.B. von Industrie- und Handelskammern, von Bedeutung. Bei externen Bewerbern legt man besonderen Wert auf den Fremdsprachennachweis z.B. durch eine Kammerprüfung. Deren Nutzen wird in der Objektivität, der Aussagefähigkeit und dem besonderen Berufsbezug gesehen. Je höher die Anforderungsstufe, um so selbstständiger kann der Prüfungsteilnehmer Situationen sprachlich steuern und lösen. Grundprinzip bei allen Kammerprüfungen ist die Zweisprachigkeit (Mutter- und Fremdsprache werden beide benötigt). Die Vielfalt der Abschlüsse entspricht dem derzeitigen Zertifizierungsbedarf der Wirtschaft in den unterschiedlichen Niveaus und Ausrichtungen. Nutzen und Aussagewert der Kammerprüfungen im Fremdsprachenbereich Die ersten vier nachfolgend genannten Prüfungen sind noch relativ jung. Alle Prüfungen setzen Fachkompetenz im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen oder technisch-naturwissenschaftlichen Bereich voraus, was das "Material" der Sprache und damit in der Prüfung ist. Zusatzqualifikation Fremdsprache für kaufmännische/technische Auszubildende Erfolgreiche Absolventen können einfachere betriebliche Situationen, wie Geschäftsbriefe, Übersetzungen, Faxe, Vermerke, Beantwortung von Anfragen, Telefonate, Small Talks, fremdsprachlich sicher steuern und beherrschen. Fremdsprache im Beruf (FIB I) Hier handelt es sich um zur Zusatzqualifikation Fremdsprache gleichwertige Fertigkeiten und Kenntnisse für Berufspraktiker, allerdings im Kaufmännischen und im Technischen zusätzlich besonders differenziert nach der Branche (z. B. Banken, Werbung, Handel, oder im Technischen: Elektro, Metall, Maschinenbau, etc.). Fremdsprache im Beruf (FIB II) Hier müssen deutlich anspruchsvollere schriftliche und mündliche Situationen als bei der Zusatzqualifikation und bei FIB I, differenziert nach Branchen, sprachlich beherrscht werden. Zielgruppe ist insbesondere der qualifizierte Sachbearbeiter mit häufiger Fremdsprachennutzung. Fremdsprache im Beruf (FIB III) Der Schwerpunkt liegt hier in der mündlichen Kommunikation, und zwar, wie bei der Zielgruppe der angehenden Führungskräfte notwendig, bei der sprachlichen Beherrschung von Moderation, Verhandlungen, Präsentationen. Bei diesen vier erstgenannten Prüfungen sind die Sprachanlässe sehr vielfältig. Sie lösen - wie im Betrieb an vielen Plätzen üblich - vielfältige sprachliche Reaktionen und Aktivitäten aus, die sprachlich angemessen gesteuert werden müssen. Bei den nachfolgend genannten Prüfungen, die langjährig gut eingeführt sind, sind die Sprachanlässe nicht ganz so vielfältig, sondern zielen insbesondere auf Hörverständnis, Textübertragung und Texterstellung sowie Gesprächsführung. Fremdsprachlicher Korrespondent/ Fremdsprachensekretärin Beide haben Textverarbeitungsfertigkeiten am PC oder an der Schreibmaschine, können nach Diktat schreiben, übersetzen, aufgrund der Kenntnis von Geschäftsfällen Briefe erstellen, sowie an fremdsprachlichen Gesprächen teilnehmen und diese wiedergeben. Übersetzer und Dolmetscher (mit staatlicher Anerkennung des Schulministeriums NRW geprüft) Diese Absolventen können anspruchsvolle Übersetzungen ins Deutsche und in die Fremdsprache anfertigen, deutsche und fremdsprachliche Referate wiedergeben, anspruchsvolle wirtschaftsbezogene Gespräche in der fremden Sprache führen bzw. Gespräche dolmetschen. Der Vorteil dieser Sprachmittler liegt in der Beherrschung gehobener wirtschaftsbezogener Fremdsprachenkenntnisse.
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